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27.10.2026

Interview mit Nina Fritzler (Geschäftsführerin Braunschweig Stadtmarketing)

  1. Nina, du hast 2025 am ersten bcsd-Mentoring-Programm teilgenommen. Was hat dich damals dazu bewegt, dich als Mentee zu bewerben?

Mich hat vor allem die Möglichkeit angesprochen, mit jemandem außerhalb des eigenen Unternehmens offen über berufliche Entwicklung und Führungsfragen zu sprechen. Im Arbeitsalltag nimmt man sich oft zu wenig Zeit, um die eigene Rolle und die nächsten Schritte zu reflektieren. Ich wollte meinen Blick erweitern und von den Erfahrungen anderer lernen. Und ich war natürlich neugierig, welche Erfahrungen andere im Stadtmarketing gemacht haben und was ich daraus für mich mitnehmen kann.

  1. Was war dein größtes Aha-Erlebnis im Mentoring? Gab es einen Rat oder ein Gespräch, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich dachte am Anfang, dass ich vor allem Ratschläge bekommen würde. Tatsächlich war es viel mehr ein gemeinsames Nachdenken, Miteinandersprechen und Voneinanderlernen. Mein größtes Aha-Erlebnis war, wie sehr mir die Fragen und die Perspektive meines Mentoren Martin Knabenreich dabei geholfen haben, eigene Antworten zu finden. Besonders wertvoll war also die Perspektive von außen für mich und das Schöne ist, dass daraus ein Kontakt geworden ist, der mich auch über das Programm hinaus begleitet. Wir tauschen uns immer noch regelmäßig aus.

  1. Seit Juli leitest du das Braunschweiger Stadtmarketing (bzw. bereits seit Januar kommissarisch). Inwiefern hat dich das Mentoring auf deinem beruflichen Weg begleitet oder dir neue Perspektiven eröffnet?

Schon bevor ich die Geschäftsführung der Braunschweig Stadtmarketing GmbH übernommen habe, gehörte es zu meinen Aufgaben, ein Team zu führen. Diese Rolle war mir also nicht neu. Das Mentoring war aber eine gute Möglichkeit, meinen eigenen Stil vor dem Hintergrund neuer Perspektiven zu hinterfragen und zu schärfen. In meiner neuen Rolle ist es noch wichtiger geworden, auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen im Team zu vertrauen. Meine Aufgabe ist es, diese zusammenzubringen, eine gemeinsame Richtung vorzugeben und gute Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Kolleg:innen ihre Stärken einbringen können.

  1. Was hat sich mit deiner neuen Rolle am stärksten verändert – und was hast du dabei über dich selbst gelernt?

Der Blick aufs Ganze ist noch wichtiger geworden. Eine Entscheidung kann für einen Bereich gut sein und an anderer Stelle Schwierigkeiten machen. Das muss ich zusammenbringen und abwägen, was gerade Vorrang hat. Dabei habe ich gemerkt, dass es mir leichter fällt als erwartet, Verantwortung abzugeben und den Kolleg:innen ihren eigenen Weg zur Lösung zuzutrauen. Dafür braucht es klare Erwartungen und einen guten Austausch. Ich muss nicht in jedem Thema selbst bis ins Detail stecken, um Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, auf einer tragfähigen Grundlage zu entscheiden, selbst wenn noch nicht jede Einzelheit geklärt ist.

  1. Städte stehen vor großen Veränderungen. Welche Herausforderungen siehst du für die kommenden Jahre – und wie verändert sich vielleicht auch die Rolle der Stadtmarketingorganisationen und wie reagiert man am besten auf die vielen Veränderungen?

Unsere Städte verändern sich und damit auch die Erwartungen an sie. Stadtmarketing hat dabei eine wirtschaftliche, kulturelle, gesellschaftliche und standortpolitische Dimension: Wie bleibt eine Stadt als Lebens- und Arbeitsort attraktiv? Was macht sie unverwechselbar? Und wie schaffen wir Orte und Anlässe, die Menschen zusammenbringen und die Identifikation mit ihrer Stadt stärken?

Unsere Aufgabe ist es, diese Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam mit Wirtschaft, Kultur, Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung konkrete Vorhaben zu entwickeln. Gleichzeitig werden die finanziellen Spielräume enger. Wir müssen deshalb klare Prioritäten setzen und zeigen, welchen Beitrag unsere Arbeit für die Stadt leistet. Dafür braucht es gute Partnerschaften, viel Austausch und die Fähigkeit, aus unterschiedlichen Interessen gemeinsames Handeln zu entwickeln.

  1. Zum Schluss: Was würdest du Kolleg:innen sagen, die überlegen, am nächsten bcsd-Mentoring teilzunehmen, aber noch unsicher sind?

Einfach machen! Ihr müsst vorher weder genau wissen, wohin eure berufliche Reise gehen soll, noch einen fertigen Fragenkatalog mitbringen. Vieles ergibt sich erst, wenn man miteinander spricht. Bringt Neugier und die Bereitschaft mit, auch die eigene Sichtweise zu hinterfragen. Für mich hat es sich sehr gelohnt, mir diese Zeit zu nehmen. Dass der Austausch bis heute weitergeht, ist für mich ein besonderer Gewinn.

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