Der Beirat Innenstadt beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat das Statuspapier „Innenstadt 2026 – Aktuelle Anforderungen an die Entwicklung von Innenstädten und Zentren“ vorgelegt. Die bcsd ist Mitglied des Beirats und hat an der Erarbeitung mitgewirkt.
Das Papier knüpft an die Innenstadtstrategie von 2021 an und zieht fünf Jahre später eine aktuelle Zwischenbilanz. Die damaligen Grundsätze bleiben bestehen: Zukunftsfähige Innenstädte brauchen vielfältige, kreative und innovative Nutzungen, attraktive, multifunktionale und klimaangepasste öffentliche Räume, Kooperation sowie langfristige und integrierte Strategien. „Innenstadt 2026“ bündelt diese Anforderungen unter drei Leitgedanken: kooperativ, gemischt und zielorientiert.
Verändert haben sich jedoch die Rahmenbedingungen. Stand 2021 noch stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie und ihrer unmittelbaren Folgen für Handel, Gastronomie, Kultur und Tourismus, rückt heute die langfristige Transformation stärker in den Mittelpunkt. Angespannte kommunale Haushalte, Fach- und Personalmangel, Klimafolgen, gesellschaftliche Polarisierung und die fortschreitende Digitalisierung prägen die Entwicklung der Zentren. Innenstadtentwicklung wird damit zunehmend zur dauerhaften Gemeinschaftsaufgabe aller städtischen Akteur:innen.
Stadtmarketing wird als strategische Schnittstelle gestärkt
Besonders relevant aus Sicht der bcsd ist die Entwicklung der Rolle des Stadtmarketings. Bereits in der Innenstadtstrategie 2021 wurde Stadtmarketing als Teil des Akteursnetzwerks und der Managementstrukturen der Innenstadtentwicklung benannt. Im Statuspapier 2026 wird diese Funktion nun wesentlich deutlicher und differenzierter beschrieben.
Stadtmarketingorganisationen werden ausdrücklich als wichtige Schnittstellen zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Immobilieneigentümer:innen, Kultur und Stadtgesellschaft eingeordnet. Sie vermitteln zwischen unterschiedlichen Interessen, kuratieren diese und tragen dazu bei, strategische Zielbilder in konkrete Maßnahmen und Kooperationen zu übersetzen. Zentren-, Stadt- und Citymanagement übernehmen dabei diverse Aufgaben: von der Netzwerkorganisation, Prozesskoordination und -steuerung bis hin zu strategischer und operativer Verantwortung. Dafür braucht es klare Kompetenzen, abgesteckte Handlungsspielräume sowie eine verlässliche personelle und finanzielle Ausstattung.
„Stadtmarketing verbindet die Akteur:innen der Innenstadt, schafft gemeinsame Perspektiven und übersetzt Strategie in konkretes Handeln.”
Jürgen Block, Geschäftsführer der bcsd
Diese Rolle gewinnt gerade angesichts knapper kommunaler Ressourcen an Bedeutung. Das Statuspapier weist darauf hin, dass Bereiche wie Kultur, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung bei Haushaltskonsolidierungen häufig besonders unter Druck geraten – obwohl sie für die Belebung und Zukunftsfähigkeit der Innenstädte wichtig sind. Dabei betont es ein neues Verständnis von Planung, das private Initiativen ausdrücklich begrüßt und fördert.
Innenstadtentwicklung ist Gemeinschaftsaufgabe
Eine zentrale Botschaft von „Innenstadt 2026“ lautet deshalb: Transformation gelingt nur gemeinsam. Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Eigentümer:innen, Handel, Gastronomie, Kultur, soziale Akteur:innen und Stadtgesellschaft müssen dauerhaft zusammenarbeiten. Professionelle Managementstrukturen können diese unterschiedlichen Perspektiven verbinden und gemeinsame Prozesse voranbringen.
Es bedarf eines neuen Narrativs der Innenstadt. Das Bild „sterbender Innenstädte und des Niedergangs des Einzelhandels“ muss sich zu einer „Innenstadt in Transformation“ wandeln. Diesen Prozess gilt es seitens des Stadtmarketings aktiv zu gestalten, zu steuern und zu kommunizieren – sowohl innerhalb der Stadtgesellschaft, als auch im übergeordneten Netzwerk der Kommunen.
Die bcsd bringt als Mitglied des Beirats Innenstadt die Perspektive und Praxiserfahrung der Stadtmarketingorganisationen in diesen Prozess ein. Das Statuspapier bestätigt dabei eine Entwicklung, für die sich die bcsd seit vielen Jahren einsetzt: Modernes Stadtmarketing ist nicht allein Kommunikation und Vermarktung, sondern strategischer Partner einer integrierten Stadtentwicklung.